Die bestmögliche Versorgung für Ihren Angehörigen

Was ist das richtige Hilfsmittel für meinen Angehörigen?

Das „beste“ Hilfsmittel für alle gibt es nicht. Entscheidend ist, welches Hilfsmittel zum einzelnen Menschen und seiner Pflegesituation passt. Eine einfache Matratze oder ein Sitzkissen können bei einem geringen Dekubitusrisiko ausreichend sein, bei einem hohen Risiko oder einem bereits vorhandenen Dekubitus aber ungeeignet sein.

Bei der Hilfsmittelauswahl sollten insbesondere folgende Fragestellungen berücksichtigt werden:

  • Ist der Patient in der Lage, im Bett druckentlastende Bewegungen selbstständig auszuführen? Kann er sich beim Sitzen eigenständig entlasten?
  • Toleriert der Patient Lagerungsmaßnahmen oder nimmt er immer wieder eine bestimmte Liegeposition ein?
  • Kann der Patient eine Lagerungsposition halten oder fällt er immer wieder in die Ausgangslage zurück?
  • Nimmt der Patient längere Zeit eine Oberkörperhochlagerung oder sitzende Position im Bett ein (z. B. zur Atmungserleichterung)?
  • Belastet der Patient beim Liegen oder Sitzen einen Dekubitus?
  • Kann der Patient aus dem Bett mobilisiert werden? Mit welchen Hilfestellungen erfolgt dies?
  • Wie lange liegt oder sitzt der Patient und welche Körperstellen werden dabei besonders belastet?
  • Wie sind Körpergröße und -gewicht? Bestehen Besonderheiten im Körperprofil?
  • Leidet der Patient an Schmerzen?
  • Liegt eine der folgenden Erkrankungen bzw. Situationen vor?
    • schwere onkologische Erkrankungen mit Metastasenbildung im Skelettbereich
    • Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose und schwerwiegende Erkrankungen des Nervensystems
    • Apallisches Syndrom (Wachkoma)
    • Querschnittsyndrom
    • instabile Wirbelverletzungen bzw. Wirbeleinbrüche
    • Zustand nach Oberschenkelamputation
    • ausgeprägte Schmerzsymptomatik
    • stark ausgeprägte Adipositas (> 150 kg) bzw. Kachexie (< 40 kg)
    • Dekubitusversorgung bei Kindern und Jugendlichen

Bitte beachten Sie: Diese Fragen müssen Sie nicht selbst beantworten. Sie müssen im Rahmen einer qualifizierten Bedarfsermittlung zur Auswahl des richtigen Hilfsmittels geklärt werden. Die Fragen sollen verdeutlichen, dass für eine wirksame Hilfsmittelversorgung gegen Dekubitus wichtige Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Carenetic-Pflegefachkraft bespricht mit einer älteren Frau den Hilfsmittelbedarf am Tablet

Wie bekomme ich die notwendigen Hilfsmittel zur Dekubitusprävention und -versorgung?

Ausgangssituation

Bei Ihrem Angehörigen wurde ein erhöhtes Dekubitusrisiko festgestellt oder es bestehen bereits Druckgeschwüre. Jetzt müssen geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Hilfsmittel gegen Dekubitus gehören neben der Bewegungsförderung und der Lagerung zu den wichtigsten Maßnahmen, um schmerzhafte Druckgeschwüre zu vermeiden.

Wichtig: Sie müssen als Angehöriger nicht selbst entscheiden, welche Matratze, welches Sitzkissen oder welches andere Hilfsmittel das richtige ist. Entscheidend ist, den individuellen Bedarf Ihres Angehörigen fachlich beurteilen zu lassen und die Hilfsmittelversorgung strukturiert in Gang zu setzen.

So gehen Sie vor

1

Situation und Bedarf festhalten

Notieren Sie, warum eine Hilfsmittelversorgung erforderlich erscheint: eingeschränkte Mobilität oder Eigenbewegungen, bereits vorhandene Druckstellen bzw. Dekubitus an bestimmten Körperstellen, aktuelle Liege- und Sitzsituation sowie bisherige Maßnahmen. Falls ein Pflegedienst beteiligt ist, sollte dessen Einschätzung einbezogen werden.

2

Behandelnden Arzt informieren und Verordnung einholen

Informieren Sie den behandelnden Arzt über das festgestellte Dekubitusrisiko bzw. den vorhandenen Dekubitus und sprechen Sie den Hilfsmittelbedarf ausdrücklich an. Lassen Sie das medizinisch erforderliche Hilfsmittel ärztlich verordnen.

3

Fachliche Bedarfsermittlung durch Hilfsmittel-Leistungserbringer veranlassen

Gerade bei hohem Risiko, bereits bestehendem Dekubitus oder komplexer Pflegesituation sollte fachlich beurteilt werden, welche konkrete Hilfsmittelart benötigt wird. Die Beurteilung sollte dort erfolgen, wo der Patient tatsächlich gepflegt wird. Ohne Inaugenscheinnahme des Patienten kann keine bedarfsgerechte Auswahl des Hilfsmittels erfolgen.

4

Geeigneten Hilfsmittel-Leistungserbringer auswählen

Fragen Sie bei der Krankenkasse nach geeigneten Vertragspartnern. Wählen Sie nicht ausschließlich nach Wohnortnähe, sondern achten Sie insbesondere auf Erfahrung und Fachkompetenz in der Dekubitusversorgung. Hilfreich ist dabei die Checkliste „Wie finde ich den richtigen Hilfsmittel-Leistungserbringer?“ weiter unten auf dieser Seite.

5

Verordnung an den Leistungserbringer weitergeben

Übergeben Sie die Verordnung an den ausgewählten Leistungserbringer. Dieser stimmt die konkrete Versorgung ab und übernimmt – soweit erforderlich – die weitere Abstimmung bzw. Beantragung bei der Krankenkasse.

6

Dringlichkeit deutlich machen

Bei bereits vorhandenem Dekubitus, deutlicher Hautgefährdung oder rascher Verschlechterung sollte ausdrücklich auf die Dringlichkeit hingewiesen werden. Verzögert sich die Versorgung, fragen Sie aktiv beim Leistungserbringer und gegebenenfalls bei der Krankenkasse nach. Sollten Sie nach Ausstellung des Rezeptes mehrere Tage auf eine Antidekubitus-Matratze warten oder eine Ablehnung erhalten, weisen Sie Ihre Krankenkasse eindringlich auf die ärztliche Anordnung und die Pflicht zur Kostenübernahme hin.

7

Lieferung, Anpassung und Einstellung sicherstellen

Das Hilfsmittel sollte fachgerecht bereitgestellt, individuell eingestellt und an die konkrete Versorgungssituation angepasst werden. Bei technischen Systemen müssen die erforderlichen Einstellungen korrekt vorgenommen werden.

8

Einweisung geben lassen

Lassen Sie sich und weitere an der Pflege beteiligte Personen erklären, wie das Hilfsmittel richtig angewendet wird, worauf im Alltag zu achten ist und was bei Störungen oder Problemen zu tun ist.

9

Wirkung beobachten und Versorgung überprüfen

Beobachten Sie Hautzustand, Druckstellen und die gesamte Pflegesituation weiter. Verschlechtert sich der Zustand oder reicht die Druckentlastung nicht aus, muss die Versorgung erneut fachlich bewertet und gegebenenfalls angepasst werden.

Bitte beachten Sie: Mit dem Hilfsmittel ist die Vorbeugung nicht abgeschlossen

Ein Antidekubitus-Hilfsmittel ist ein wichtiger Baustein des Dekubitusmanagements, ersetzt aber nicht automatisch die weiteren erforderlichen pflegerischen Maßnahmen. Mobilität und Eigenbewegung, notwendige Positionsveränderungen, Hautbeobachtung und weitere individuell erforderliche Maßnahmen müssen weiterhin beachtet werden. Auch die Hilfsmittelversorgung selbst muss kontinuierlich begleitet werden: Passt das System noch zur aktuellen Situation? Wird es richtig angewendet? Reicht die Druckentlastung aus? Hat sich der Gesundheitszustand oder die Mobilität verändert? Bei Veränderungen muss die Versorgung erneut überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Merksatz: Die Hilfsmittelversorgung ist nicht das Ende der Dekubitusprävention oder -behandlung. Sie ist Teil eines kontinuierlichen Prozesses aus Beobachten, Entlasten, pflegerischen Maßnahmen, Überprüfen und Anpassen.

Hinweis: Diese Checkliste dient der Orientierung für pflegende Angehörige. Bei einem bestehenden oder sich verschlechternden Dekubitus ist eine zeitnahe medizinische und pflegefachliche Beurteilung erforderlich.

Einweisung einer Angehörigen in die Steuereinheit einer Antidekubitus-Matratze

Wie finde ich den richtigen Hilfsmittel-Leistungserbringer für die Dekubitusversorgung?

Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen vor einem Dekubitus schützen oder bei einem bereits bestehenden Dekubitus versorgen muss, steht häufig vor der Frage: An wen wende ich mich? Sanitätshäuser und andere Hilfsmittel-Leistungserbringer unterscheiden sich in Erfahrung, Spezialisierung und fachlicher Begleitung. Gerade bei einer komplexen Dekubitusversorgung sollte deshalb nicht die Wohnortnähe entscheiden.

Wichtig: Der passende Anbieter sollte die individuelle Situation beurteilen können und nicht lediglich ein Produkt liefern. Diese Checkliste hilft Angehörigen, geeignete Hilfsmittel-Leistungserbringer zu finden und deren Fachkompetenz einzuschätzen.

1. Bei der Krankenkasse beginnen

  • Welche Vertragspartner meiner Krankenkasse dürfen Hilfsmittel zur Dekubitusprävention bzw. -versorgung liefern?
  • Bitte nennen Sie mir mehrere geeignete Anbieter – nicht nur den nächstgelegenen.
  • Gibt es Vertragspartner, die auf Antidekubitus-Hilfsmittel bzw. komplexe Versorgungssituationen spezialisiert sind?

2. Den Anbieter nach Fachkompetenz auswählen

  • Haben Sie besondere Erfahrung mit der Versorgung mit Hilfsmitteln gegen Dekubitus?
  • Welche fachlich qualifizierten Mitarbeitenden führen die Bedarfsermittlung durch (z. B. Pflegefachkräfte oder speziell geschulte Fachkräfte)?
  • Erfolgt die persönliche Bedarfsermittlung fachlich geboten beim Patienten zu Hause?
  • Können Sie die unterschiedlichen Hilfsmittelarten anbieten und dann bedarfsgerecht auswählen (z. B. geeignete Weichlagerungsmatratzen, dynamische Systeme, Hybridmatratzen, Speziallagerungssysteme)?
  • Können Sie nachvollziehbar erklären, warum das vorgeschlagene Hilfsmittel für genau diesen Patienten geeignet ist?
  • Erfolgen Anpassung, Einstellung und Einweisung in die Nutzung des Hilfsmittels?
  • Gibt es nach der Versorgung einen fachlichen Ansprechpartner für Rückfragen oder Probleme?
  • Wird die Versorgung überprüft bzw. angepasst, wenn sich der Zustand des Patienten verändert oder die Druckentlastung nicht ausreicht?

3. Der 5-Fragen-Schnelltest

  1. Haben Sie besondere Erfahrung in der Hilfsmittelversorgung gegen Dekubitus?
  2. Wer beurteilt den individuellen Hilfsmittelbedarf und welche Qualifikation hat diese Person?
  3. Kommen Sie zum Patienten nach Hause?
  4. Können Sie unterschiedliche Systeme anbieten und die Auswahl fachlich begründen?
  5. Was tun Sie, wenn sich zeigt, dass das Hilfsmittel nicht ausreichend ist?

4. Gute Zeichen – Warnsignale

✓ Gute Zeichen

  • Der Anbieter stellt viele Fragen zur individuellen Situation.
  • Eine fachlich qualifizierte Person beurteilt den Bedarf.
  • Bei Bedarf erfolgt ein Hausbesuch.
  • Unterschiedliche Hilfsmittelarten werden angeboten bzw. berücksichtigt.
  • Die Produktauswahl wird verständlich begründet.
  • Die weitere Begleitung bei Veränderung des Krankheitsbildes oder Unverträglichkeit ist vorgesehen.

⚠ Warnsignale

  • Schon nach wenigen Angaben wird ein bestimmtes Produkt angeboten.
  • Die Auswahl erfolgt hauptsächlich nach Verfügbarkeit oder Standardversorgung.
  • Eine persönliche Bedarfsermittlung durch eine Pflegefachkraft wird nicht angeboten.
  • Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Systeme werden nicht erklärt.
  • Es wird einfach eine Matratze durch einen Auslieferungsfahrer geliefert.
  • Veränderungen des Patientenzustands führen nicht zu einer erneuten Prüfung oder einem Austausch.

5. Die entscheidende Frage

„Warum ist genau dieses Hilfsmittel bei der individuellen Risikosituation meines Angehörigen geeignet – und warum reicht eine einfachere Versorgung aus bzw. nicht aus?“

Ein kompetenter Leistungserbringer sollte diese Frage verständlich und anhand der konkreten Versorgungssituation beantworten können. Haben Sie den Eindruck, dass Sie nicht gut beraten werden oder der Mitarbeiter nicht qualifiziert ist, nehmen Sie das Hilfsmittel nur unter Vorbehalt an. Ein für Ihren Angehörigen ungeeignetes Hilfsmittel kann zu Nebenwirkungen und Folgeschäden führen. Seien Sie bei Pauschalaussagen des Lieferanten über die Eignung bestimmter Matratzentypen kritisch. Generell lässt sich sagen, dass hochwertige Schaumstoff-Matratzen zur Dekubitusvorbeugung bei teilmobilen Patienten, die ihre Liegeposition noch verändern können, gut geeignet sind. Immobile Hochrisikopatienten mit schweren Grunderkrankungen oder bereits bestehenden Dekubitalgeschwüren sind hingegen besser mit aktiv-dynamischen luftgefüllten Matratzensystemen versorgt. Lassen Sie sich vom Lieferanten in jedem Fall einen kostenlosen Austausch des Hilfsmittels bei Unverträglichkeit oder einer Verschlechterung der Situation zusichern.

Wichtiger Merksatz: Nicht der kürzeste Weg zum Sanitätshaus sollte entscheiden, sondern die Fachkompetenz für die individuelle Dekubitusversorgung. Im Sanitätshaus kann ohne den Patienten gesehen zu haben keine fachgerechte Entscheidung über ein Hilfsmittel erfolgen. Ein qualifizierter Hilfsmittel-Leistungserbringer kommt zur Bedarfsermittlung und Beratung schnell zu Ihnen nach Hause.

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