Wie erkennen Sie einen Dekubitus frühzeitig?

Wichtig: Ein Dekubitus kann schon vorliegen, bevor eine offene Wunde sichtbar wird. Je früher auffällige Hautveränderungen erkannt und Maßnahmen zur Druckentlastung der Haut eingeleitet werden, umso besser.

Tägliche Hautinspektion

  • Wenn Sie einen pflegebedürftigen Angehörigen haben, der in der Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist und lange liegt oder sitzt, kontrollieren Sie mindestens einmal täglich die gefährdeten Hautstellen, am besten bei der täglichen Körperpflege oder beim Ankleiden.
  • Am häufigsten entsteht ein Dekubitus am Kreuzbein, am Gesäß, an den Hüften und an den Fersen.
  • Achten Sie bei der Hautinspektion auf Rötungen oder andere Farbveränderungen der Haut, Schwellungen, Verhärtungen, eine ungewöhnliche Wärme und Schmerzen.

Bei Rötung: Fingertest

Wenn Sie an einer gefährdeten Stelle der Haut eine Rötung feststellen, hilft der Fingertest einzuschätzen, ob es sich um einen Dekubitus handelt oder nicht.

So gehen Sie vor:

1

Stelle gut sichtbar machen

Lagern Sie die Person bequem. Die betroffene Stelle sollte gut sichtbar und ausreichend beleuchtet sein.

2

Kurz drücken

Drücken Sie mit einem Finger kurz (ca. 1 Sekunde) auf die gerötete Stelle.

3

Haut beobachten

Nehmen Sie den Finger wieder weg und beobachten Sie die Haut.

  • Wird die Haut beim Drücken weiß und danach wieder rot, ist die Durchblutung noch vorhanden.
  • Bleibt die Stelle rot und wird nicht weiß, kann das ein Hinweis auf einen beginnenden Dekubitus sein.
  • Druck auf die Stelle sofort vermeiden und fachlich beurteilen lassen.
Fingertest in drei Schritten: gerötete Hautstelle, beim Drücken wird die Haut weiß (Durchblutung vorhanden), die Rötung bleibt (Warnzeichen für einen Dekubitus)
Der Fingertest

Nicht nur auf die Hautfarbe achten: Bei dunkleren Hauttönen kann eine Rötung schwer erkennbar sein. Achten Sie zusätzlich darauf, ob die Stelle wärmer oder kälter, härter oder weicher, geschwollen, schmerzhaft oder ungewöhnlich empfindlich ist.

Unterscheidung Dekubitus und andere Hautauffälligkeiten

Nicht jede Rötung ist ein Dekubitus. Feuchtigkeitsbedingte Hautschäden, z. B. durch Inkontinenz, sind häufig flächiger und unregelmäßiger; die Haut kann wund, aufgeweicht oder nässend sein. Der medizinische Fachbegriff für diesen oft als Windeldermatitis bezeichneten Hautdefekt lautet Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD). IAD kommen vor allem im Gesäß-, Genital- und Leistenbereich vor. Ein Dekubitus und eine IAD können gleichzeitig vorliegen.

Beschwerden des Patienten ernst nehmen: Aussagen wie „Es brennt“, „Es tut weh“ oder „Die Stelle fühlt sich komisch an“ besondere Beachtung schenken. Schmerzen oder Missempfindungen können frühe Warnzeichen sein.

VTG – Dekubitus in der Tiefe

Eine vermutete tiefe Gewebeschädigung (VTG) kann sich an der Hautoberfläche zunächst nur als dunkelrote, violette oder livide Verfärbung zeigen. Sie kann deshalb leicht mit einem blauen Fleck verwechselt werden. Besonders an druckbelasteten Stellen sollte eine solche Verfärbung sehr ernst genommen werden. Auch wenn die Haut noch geschlossen ist, kann darunter eine tiefe Wunde liegen. Sie entsteht, wenn sich Gewebeschichten durch hohe Druckeinwirkung oder Scherkräfte in der Tiefe am Knochen gegeneinander verschieben. Es kommt zu Zellschäden und zum Absterben von Gewebe. Im weiteren Verlauf kann sich das tatsächliche Ausmaß zeigen: Die Haut kann sich ablösen, es kann eine Blase entstehen und eine deutlich tiefere Wunde sichtbar werden. Eine livide Verfärbung nicht weiter belasten und sofort durch eine Pflegefachkraft oder medizinische Fachperson beurteilen lassen.

Bei Hautveränderung gilt grundsätzlich: Nicht abwarten!

Eine auffällige Hautstelle sollte nicht weiter belastet werden. Sorgen Sie für direkte Druckentlastung. Bei einer nicht wegdrückbaren Rötung, Blase, offenen Hautstelle oder anderen auffälligen Veränderungen sofort eine Pflegefachkraft bzw. medizinische Fachperson hinzuziehen.

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